Gesetzesänderung – Geheimdienste sollen in Messengern mitlesen dürfen

Gesetzesänderung - Geheimdienste sollen in Messengern mitlesen dürfen

Das Bundeskabinett will eine Gesetzesänderung beschließen, mit welcher deutsche Geheimdienste wie der Verfassungsschutz, der Militärische Abschirmdienst und der Bundesnachrichtendienst mehr Befugnisse erhalten. In Zukunft soll es den deutschen Geheimdiensten erlaubt sein in Nachrichtendiensten wie beispielsweise WhatsApp mitzulesen.

Was steckt hinter der entsprechenden Gesetzesänderung?

Die Geheimdienste sollen Nachrichten, die per Messenger versendet wurden, mitlesen dürfen. Bisher durften nur laufende Gespräche via Messenger mitgehört werden. Darüber hinaus ist ein erweiterter Austausch von Informationen zwischen dem Militärischen Abschirmdienst und den Verfassungsbehörden vorgesehen. Der Entwurf des Bundesministeriums sieht zudem die Senkung der Hürden für die Beobachtung von Einzelpersonen durch den Verfassungsschutz vor.

Weshalb ist die Gesetzesänderung geplant?

Die geplante Gesetzesänderung ist eine Konsequenz aus den rechtsextrem motivierten Terroranschlägen beispielsweise in Halle 2019 und in Hanau 2020. Die aktuellen Terroranschläge haben gezeigt, dass die Gefahr von rechts nicht zu unterschätzen ist. Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht von 24 100 Rechtsextremen – die Hälfte davon gewaltbereit – in Deutschland aus.

Überwachung nur mit entsprechender Genehmigung

Bevor eine Überwachung durchgeführt werden darf, wird eine entsprechende Genehmigung benötigt. Für die Genehmigungen ist die G10-Kommission des Bundestags zuständig. Die Anzahl der Mitglieder wird erhöht, um eine bessere Kontrolle der Überwachungsmaßnahmen zu gewährleisten. Zusätzlich soll der G10-Kommission ein technischer Berater an die Seite gestellt werden.

Wie soll die Überwachung stattfinden?

Durch so genannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung, kurz Quellen-TKÜ, soll die Überwachung bei verschlüsselten Nachrichtendiensten stattfinden. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Form der Telekommunikationsüberwachung, bei der die Kommunikation bereits wird, bevor sie verschlüsselt wird oder nachdem sie entschlüsselt wurde erfasst wird.

Welche Überwachungsmöglichkeiten gibt es bisher?

Ein Mittel der Strafverfolgung ist die sogenannte stille SMS. Der Standort einer Person kann hierbei auf die Funkzelle genau erfasst werden. Kommt dieses Mittel mehrmals zum Einsatz, ist die Erstellung eines Bewegungsprofils möglich. Eine weitere Methode ist die Funkzellenabfrage, mit der festgestellt werden kann welche Telefone sich zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb einer Funkzelle befinden. Mit dem IMSI-Catcher können Ermittler eine Basisstation simulieren und Geräte im Umkreis von bis zu 100 Metern orten.

Befürworter und kritische Stimmen

Nicht alle befürworten die geplante Gesetzesänderung. Stephan Tomae, FDP-Vizefraktionschef, bezeichnet den Entwurf aus dem Bundesministerium beispielsweise als „Ausverkauf der Bürgerrechte“. Er bezeichnet die Quelle-TKÜ als massiven Eingriff in die Grundrechte. Es handele sich um den kleinen Bruder der Onlinedurchsuchung. Bereits seit langer Zeit auf diese Regelung gedrängt hat hingegen die Union. „Es ist gut und wichtig, dass die Anpassung des Verfassungsschutzgesetzes nun endlich auf den Weg gegeben wird“, betont Mathias Middelberg, innenpolitischer Fraktionssprecher (CDU). Nur durch die geplante Gesetzesänderung, sei es den deutschen Geheimdiensten möglich seine Rolle als Frühwarnsystem auch im digitalen Zeitalter auszuüben.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Das Smartphone ersetzt fast alles – darauf achten Nutzer wirklich

Das Smartphone ersetzt fast alles

Darauf achten Nutzer wirklich

Eine gute Kamera gehört heute zu den wichtigsten Kaufkriterien für Smartphones. Gleichzeitig ersetzt das Gerät immer mehr Alltagshelfer, nutzt KI für Fotos und speichert zahlreiche sensible Daten, die besonders geschützt werden sollten. […]

OLG stoppt Telefónica – Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

OLG stoppt Telefónica

Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

Verbraucherschützer konnten vor Gericht einen Erfolg erzielen. Denn Telefónica wurde eine AGB-Klausel untersagt, mit der Mobilfunkverträge trotz Mindestlaufzeit einseitig durch das Unternehmen gekündigt werden konnten. Das Urteil stärkt die Rechte von Kunden und sorgt für mehr Vertragssicherheit. […]

KI in der App-Entwicklung: Chancen, Risiken und Trends 2026

KI in der App-Entwicklung

Chancen, Risiken und Trends 2026

Künstliche Intelligenz verändert die App-Entwicklung grundlegend. Von automatischer Codegenerierung über intelligentes UI-Design bis hin zu neuen Geschäftsmodellen: Der Ratgeber zeigt, welche Möglichkeiten KI heute bietet, wo ihre Grenzen liegen und worauf Unternehmen und Entwickler beim Einsatz achten sollten. […]

Kinder schützen durch Chats prüfen? – das hat die EU jetzt entschieden

Kinder schützen durch Chats prüfen?

Das hat die EU jetzt entschieden

Das EU-Parlament hat einer neuen Übergangsregelung zur Chatkontrolle zugestimmt. Die Maßnahme bleibt dennoch umstritten und innerhalb der EU wird weiter an einer langfristigen gesetzlichen Lösung für den Kinderschutz gearbeitet. […]

Messwoche liefert Millionen Daten – wie gut ist der Mobilfunk wirklich?

Messwoche liefert Millionen Daten

Wie gut ist der Mobilfunk wirklich

Fast 20 Millionen Messpunkte liefern ein aktuelles Bild der Mobilfunkversorgung in Deutschland. Die Ergebnisse der zweiten Mobilfunkmesswoche zeigen den Fortschritt beim 5G-Ausbau und helfen dabei, Versorgungslücken zu erkennen und künftig zu schließen. […]

eBay im Visier – Bundesnetzagentur wirft Verstöße gegen DSA vor

eBay im Visier

Bundesnetzagentur wirft Verstöße gegen DSA vor

Der Digital Services Coordinator der Bundesnetzagentur hat mehrere Verstöße von eBay gegen den Digital Services Act festgestellt. Es stehen verschiedene Vorwürfe im Raum, auf die eBay mittlerweile reagiert hat. Das Verfahren könnte Konsequenzen haben. […]