Gescheitertes Musik-Flatrate-Modell – Nokia Comes with music wird eingestellt

Nokia

Vor nicht mal zwei Jahren startete der Handy-Hersteller Nokia unter anderem zusammen mit vier Großen der Musikbranche (Universal Music, Sony Music, EMI Music, Warner Music) seinen Dienst „Comes with music„ (später „Ovi Music Flat„) auch in Deutschland. Das Konzept sei revolutionär, es setze neue Maßstäbe, kündigte Nokia in einer Pressemitteilung an.

Mit dem Kauf eines bestimmten Nokia-Modells erwarb der Kunde auch eine Musik-Flatrate. Sie konnte aber auch nachträglich gebucht werden. Die Flatrate war ein Jahr gültig und gewährte dem Kunden, mit seinem Nokia-Handy (bzw. einem registriertem PC) ohne weitere Kosten Musiktitel aus dem großen Angebot des Nokia Music Store zu laden. Zwar konnte der Kunde die heruntergeladenen Titel auch nach dem Ablauf des Jahres weiterhin abspielen, jedoch war es zu keinem Zeitpunkt möglich, sie auf MP3-Player zu kopieren oder auf eine CD zu brennen. Die Musik war an das mit der Musikflatrate verkaufte Handy bzw. freigeschaltete Computer des Nutzers gekoppelt.

Nokia zahlte den Beteiligten der Musikbranche eine Lizenzgebühr und nahm von den Kunden im Gegenzug einen erhöhten Kaufpreis für Handys, die mit der „Comes with music„-Flatrate verkauft wurden bzw. eine Gebühr. Doch das Geschäftsmodell der endgerätegebundenen Musikflatrate scheiterte. Die Kunden zeigten kaum Interesse, die Flatrate nach Ablauf des ersten Jahres kostenpflichtig zu verlängern, wohl wegen der mangelnden Flexibilität der Musikflatrate und sicherlich auch wegen der zahlreichen kostenlosen Musikangebote, die über internetfähige Endgeräte erreichbar sind.

Das ist nicht nur für den finnischen Handyhersteller ein Rückschlag, der den Dienst mit hohem Aufwand beworben hat und nun zugeben muss, dass die Revolution des Marktes ausgeblieben ist. Auch die Musikindustrie hatte sich viel von der Idee versprochen, kämpft sie doch gegen sinkende Umsätze, verursacht etwa durch Onlineangebote und Raubkopien.

In Deutschland wird der Dienst nun nicht mehr verfügbar sein. Mangelndes Interesse der Kunden und der Mobilfunknetzbetreiber sei der Grund, erklärte Nokia. Die hatten nämlich lieber eigene Musikangebote vermarktet. Nur in China, Indien, Brasilien, Südafrika, Indonesien und in der Türkei wird es das Flatrate-Angebot bis auf weitere noch geben. Kunden in Deutschland können die Flatrate bis zum Ende ihrer einjährigen Laufzeit nutzen und alle geladenen Musikstücke weiterhin abspielen, auch wenn die Musikflatrate von Nokia dann bereits Geschichte ist.
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