Handys nicht abhörsicher – eigener Schutz erforderlich

Smartphone

Der Abhörskandal um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht den Fokus verstärkt auf die Frage, wie abhörsicher Handys sind und wie sich normale Handynutzer vor Eingriffen in die Privatsphäre schützen können. Fakt ist: Handys und Smartphones sind im ausgelieferten Zustand nicht abhörsicher. Mit einer speziellen Verschlüsselungstechnik sowie einigen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich das Risiko aber minimieren, dass jemand das eigene Smartphone oder Handy anzapft.

Das Überwachen und Abhören von Handys und Smartphones ist in Deutschland auch ganz offiziell kein Einzelfall. Im Jahre 2012 versendeten allein Behörden und Institutionen der Bundesrepublik zusammen 199.023 sogenannten „stille SMS„. Im Jahr 2010 waren es 255.784 Ortungsimpulse. Im ersten Halbjahr 2013 lag diese Zahl bereits bei 138.799, wie das Bundesministerium des Inneren auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko mitteilte. Zwar handelt es sich bei einer stillen SMS um einen Impuls zur Handyortung, mit denen Bewegungsprofile erstellt werden, die Zahl zeigt aber wie leicht es ist, ein Gerät zu verfolgen. Doch was der Staat kann, versuchen auch kommerzielle Anbieter: Frei erhältliche Apps ermöglichen das Abhören von Gesprächen und das Auslesen von E-Mail-Verkehr und Fotos. Solche Spionage-Apps werden angeboten, um Kinder oder Mitarbeiter überwachen zu können. Einige Anbieter werben sogar damit, dass so auch ein Seitensprung entdeckt werden kann. Der Einsatz solcher Überwachungs-Apps ist allerdings grundsätzlich untersagt, wenn die abgehörte Person nicht darüber informiert wird. Bei Missbrauch drohen Strafen.

Die Diskussion um das abgehörte Merkel-Handy zeigt, wie unsicher die Geräte sind. Im ausgelieferten Zustand kann praktisch jedes Handy abgehört und ausgelesen werden. Ohne große Mühe lassen sich die Geräte zum Beispiel mit einer Software anzapfen. Die deutsche Regierung nutzt Handys, die mit einem Sicherheitssystem der Firma Secusmart ausgestattet sind. Dabei kommt eine Technik zum Einsatz, die in das Handy integriert wird. Hat der Gesprächspartner ebenfalls ein so ausgestattetes Handy, können beide miteinander abhörsicher telefonieren. Fehlt dem Gegenüber der Chip, wird das Gespräch unverschlüsselt übertragen. Die Verschlüsselung ist nach Aussagen des Unternehmens beim aktuellen Stand der Technik abhörsicher, die Kosten belaufen sich derzeit jedoch für Endkunden auf rund 2.500 Euro pro Telefon. Daher müssen sich normale Nutzer anders schützen.

Handynutzer können das Abhören von Gesprächen oder Handyfunktionen deutlich erschweren, indem sie den Zugriff für Dritte erschweren. Dazu gehört, nur Apps aus offiziellen App-Stores zu laden, unsichere W-Lan-Hotspots zu meiden und das eigene Gerät nicht aus der Hand zu geben. Denn schnell ist unbemerkt eine Abhörsoftware installiert. Bei Smartphones sollte außerdem ein Virenscanner aktiv sein. Einen sehr wirksamen Schutz bietet eine Verschlüsselungssoftware. Das Programm „silent Phone„ verspricht zum Beispiel eine sichere Codierung für Gespräche, SMS und E-Mails, ist aber relativ teuer. Für Mails reicht auch eine Software wie OpenPGP, ähnliche Lösungen gibt es als App auch für Chats und andere Anwendungen. Viele Verschlüsselungsprogramme haben jedoch das Problem, dass der Kommunikationspartner ebenfalls das Programm benötigt. Weitere Möglichkeiten sind Passwort-Apps für Datenordner oder Sperren für bestimmte Apps. So wird zumindest ein Teil des Handys sicherer vor Zugriffen durch Dritte.

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