eBay Urteil – pauschale Spaßbieterklausel unwirksam

eBay Urteil Spaßbieterklausel

Bei Auktionen auf eBay kommt es immer wieder zum Rücktritt vom Kauf. Meistens gehen Anbieter damit verärgert, aber letztlich kulant um. Anders im vorliegenden Fall. Ein Anbieter versteigerte einen Pkw. Dabei nutzte er eine Klausel, die u. a. besagte: „Keine Nachverhandlung, Spaßbieter zahlen 20 % des KP (= Kaufpreises)“. Der Pkw wurde regulär versteigert. Der Höchstbietende stellte beim Abholen des Wagens jedoch Mängel fest. Daher wollte er vom Kauf zurücktreten. Der Verkäufer forderte daraufhin die Vertragsstrafe von 20 Prozent des Kaufpreises. Es kam zur Gerichtsverhandlung. Nachdem das Landgericht Frankfurt die Klage abwies, zog der Verkäufer vor das Oberlandesgericht Frankfurt in Berufung.

Richter sahen kein Spaßgebot

Die Richter fällten am 12. Mai 2016 ihr rechtskräftiges Urteil (Az.: 22 U 205/14). Darin stellten Sie drei wichtige Details für zukünftige Auktionen auf eBay fest.

Zum einen stellt eine pauschale Vertragsstrafe (Spaßbieterklausel) eine überraschende bzw. mehrdeutige Klausel gemäß § 305c (2) Bürgerliches Gesetzbuch dar. Dieser Absatz besagt: „Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen gehen zu Lasten des Verwenders.“ Da keine näheren Erläuterungen festgeschrieben wurden, was genau ein Spaßgebot ist, und auch keine einheitliche Rechtsprechung existiere, sei dieser Punkt strittig und gehe damit zulasten den Verkäufers.

Diese Feststellung wird durch den zweiten Leitsatz manifestiert, der die Bezeichnung „Spaßgebot“ ausschließt, wenn der Bieter rechtlich anerkannte Gründe vorträgt, vom Kauf zurücktreten zu wollen. Das war hier der Fall. Zwar sei der vom Käufer angeführte gegenüber dem Angebot zu hohe Kilometerstand wegen einer zu geringen Abweichung nicht als Mangel feststellbar. Allerdings sei das Fahrzeug mit „fehlerfrei“ und „TÜV/HU neu“ beschrieben, ohne auf im HU-Bericht angeführte Mängel hinzuweisen. Diese Abweichung sahen die Richter ohne Beurteilung der Sachlage als nachvollziehbaren Grund für einen Rücktrittswunsch an.

Trotzt alles stellten die Richter fest, sei ein ordentlicher Kaufvertrag zustande gekommen. Da sich der Käufer aber unabhängig von seinem Rücktrittswunsch nicht in Verzug befand, wäre eine Vertragsstrafe unbegründet. Denn der Verkäufer hatte ihn mahnen und die Vertragsstrafe ankündigen müssen. Dies sei jedoch nicht geschehen.

Mehr Informationen

Weitere Urteile zum Thema eBay und Online-Auktionen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Wichtiges BGH-Urteil – Verbraucherrechte bei Online-Kündigung gestärkt

Wichtiges BGH-Urteil

Verbraucherrechte bei Online-Kündigung gestärkt

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Bestätigungsseite einer Online-Kündigung ausschließlich der Kündigung dienen darf. Zusätzliche Angebote wie Vertragsunterbrechungen oder Werbehinweise verstoßen gegen § 312k BGB und sind unzulässig. […]

BKA zerschlägt Phishing-Plattform Kratos – 200 Server abgeschaltet

BKA zerschlägt weltweit aktive Phishing-Plattform „Kratos“

Hunderttausende Opfer betroffen

Gemeinsam mit US-Ermittlern hat das BKA die weltweit aktive Phishing-Plattform „Kratos“ zerschlagen. Mehr als 200 Server wurden abgeschaltet, der mutmaßliche Administrator in Indonesien festgenommen und Hunderttausende potenzielle Opfer geschützt. […]

Freude schlägt Herzen - die beliebtesten Emojis der Deutschen

Freude schlägt Herzen

Das sind die beliebtesten Emojis der Deutschen

Lachen statt Herzen: Die Deutschen setzen in ihren Chats vor allem auf gute Laune. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zum World Emoji Day zeigt außerdem, wie selbstverständlich Emojis inzwischen zum digitalen Alltag gehören – und warum sie trotzdem manchmal für Missverständnisse sorgen. […]

Das Smartphone ersetzt fast alles – darauf achten Nutzer wirklich

Das Smartphone ersetzt fast alles

Darauf achten Nutzer wirklich

Eine gute Kamera gehört heute zu den wichtigsten Kaufkriterien für Smartphones. Gleichzeitig ersetzt das Gerät immer mehr Alltagshelfer, nutzt KI für Fotos und speichert zahlreiche sensible Daten, die besonders geschützt werden sollten. […]

OLG stoppt Telefónica – Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

OLG stoppt Telefónica

Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

Verbraucherschützer konnten vor Gericht einen Erfolg erzielen. Denn Telefónica wurde eine AGB-Klausel untersagt, mit der Mobilfunkverträge trotz Mindestlaufzeit einseitig durch das Unternehmen gekündigt werden konnten. Das Urteil stärkt die Rechte von Kunden und sorgt für mehr Vertragssicherheit. […]

KI in der App-Entwicklung: Chancen, Risiken und Trends 2026

KI in der App-Entwicklung

Chancen, Risiken und Trends 2026

Künstliche Intelligenz verändert die App-Entwicklung grundlegend. Von automatischer Codegenerierung über intelligentes UI-Design bis hin zu neuen Geschäftsmodellen: Der Ratgeber zeigt, welche Möglichkeiten KI heute bietet, wo ihre Grenzen liegen und worauf Unternehmen und Entwickler beim Einsatz achten sollten. […]