Abschaffung des Call-by-Call – VATM warnt vor EU

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Seit dem Jahr 1998 können Verbraucher mit einem Festnetz-Telefonanschluss der Deutschen Telekom einen anderen Anbieter auswählen, wenn sie ein Telefonat führen möchten. Das sogenannte Call-by-Call wurde von dem deutschen Gesetzgeber als Regulierungsmaßnahme gegen die Monopolstellung der Deutschen Telekom eingeführt. Durch wählen einer Vor-Vorwahl, beginnend mit 010, wählt sich der Kunde in das Netz eines alternativen Anbieters ein und umgeht damit die Verbindung über den eigentlichen Telefonnetzbetreiber. Eine feste Voreinstellung eines alternativen Telefonieanbieters ist die Preselection.

Das Angebot werde viel genutzt. Etwa 5 Milliarden Gesprächsminuten telefonieren die Deutschen im Jahr per Call-by-Call und Preselection, teilte der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) mit. Der Verband wendet sich gegen die Pläne der EU, Call-by-Call und Preselection abzuschaffen.

Wesentlich höhere Kosten für deutsche Verbraucher

Dass ab dem 15. Mai des nächsten Jahres die Telefonate sowohl in dem Festnetz als auch in dem Mobilfunknetz europaweit maximal 19 Cent pro Minute (und SMS maximal 6 Cent pro Kurzmitteilung) kosten dürfen, hat die Europäische Union vor einigen Wochen beschlossen. Dieser Preis wäre aber doppelt, teilweise 20 bis 50 mal, höher als die Kosten des selben Telefonats per Call-by-Call oder mit einer Preselection, erklärte der VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

„Marktmacht hat nicht abgenommen“
Aus der Sicht des Branchenverbands braucht der EU-Binnenmarkt kein Call-by-Call, denn das gäbe es in den meisten EU-Ländern nicht. Doch in Deutschland habe die von der Bundesnetzagentur (BNetzA) festgestellte Marktmacht der Telekom nicht abgenommen. Der Wettbewerb nehme allerdings ab. Denn durch Vectoring und die vom VATM befürchtete Remonopolisierung im Nahbereich sowie die derzeitige Umrüstung auf die IP-Technologie steige der Marktanteil der Deutschen Telekom in dem Bereich der Telekommunikationsanschlüsse wieder.

„Politisch motivierter Druck aus der EU“
Gemeinsam mit der Bundesnetzagentur müsse der VATM dafür sorgen, dass „politisch motivierter Druck aus der EU im deutschen Markt keinen unwiederbringlichen Schaden anrichtet“. Zur Beurteilung würden Zahlen aus den Jahren 2013 und 2015 genutzt. Eine Untersuchung aus dem Jahresende 2018 belege aber, dass die Marktmacht der Deutschen Telekom zunehme statt abnehme. Es bedürfe einer sachlichen Diskussion mit Brüssel, die auch die Interessen und Besonderheiten der Nationalstaaten ausreichend berücksichtige, meint der VATM-Geschäftsführer. „Wir wollen keine EU-Regulierungspolitik gegen EU-Bürger, während sich die Kommission öffentlich als Bewahrer des Wettbewerbs und – leider nur scheinbar – günstigerer Preise präsentiert.“

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