Wirecard – Hinweise auf Betrug: 1,9 Milliarden Euro existieren nicht

Bilanz

Das Zahlungsdienstleisterunternehmen Wirecard ist aktuell in einen riesigen Bilanz-Skandal verwickelt. In der Nacht auf heute wurde bekannt, dass die Treuhandkonten auf den Philippinen, auf denen sich 1,9 Milliarden Euro befinden sollen, gar nicht existieren. Die Aktien von Wirecard befinden sich derzeit im freien Fall.

Was ist Wirecard?

Bei Wirecard handelt es sich um ein börsennotiertes, deutsches Zahlungsdienstleistungsunternehmen. Das Unternehmen, dessen Sitz sich in Aschheim bei München befindet, wurde im Jahr 1999 unter dem Namen InfoGenie AG gegründet. Von Beginn an hatte sich das Unternehmen darauf spezialisiert, Geschäfte im Internet abzuwickeln. Durch die steigende Popularität von Kryptowährungen, bei der Bitcoin kaufen oder der Handel mit Dash ein interessanter, aber auch sehr spekulativer Zukunftsmarkt ist.

Welche Dienste bietet das Unternehmen?

Das Unternehmen bietet Dienstleistungen in den Bereichen Finanztechnologie, E-Commerce, Mehrwertdienste sowie mobiles Bezahlen. Mittlerweile kooperiert Wirecard mit rund 280 000 Unternehmen. Darunter befinden sich unter anderem Ikea, Aldi, Telefónica, der Touristenkonzern TUI und der chinesische Bezahldienst Alipay.

  • Finanztechnologie
  • Wirecard bietet Firmenkunden der Mizuho Financial Group seit zwei Jahren Kartenausgabedienste in Asien an. Die Banklizenz des Unternehmens wird von vielen Finanztechnologie-Unternehmen genutzt. Der Zahlungsprozess der japanischen Fluggesellschaft ANA wird seit April 2019 von Wirecard digitalisiert.

  • E-Commerce
  • Wirecard überprüft für Onlineshop-Betreiber die Kreditwürdigkeit der Kunden und garantiert darüber hinaus deren Bezahlung auch bei Zahlungsausfall. Der Schwerpunkt liegt hierbei im Reisegewerbe.

  • Alternative chinesische Zahlungsmethoden
  • Zusammen mit dem chinesischen Bezahldienst Alipay ermöglicht das Unternehmen, dass chinesische Reisende auch im europäischen Raum ihre gewohnte Zahlmethode nutzen können.

  • Mobiles Bezahlen: die App boon
  • Seit dem Jahr 2015 gibt es die App boon mit welcher mobile Bezahlvorgänge abgewickelt werden können. Nutzer können mit Hilfe der App per NFC-Technik kontaktlos Bezahlen.

  • Digitalisierung im Einzelhandel
    Das Unternehmen unterstützt durch Marktkonzepte und Shopsysteme den stationären Einzelhandel bei der Digitalisierung.

Die Entwicklung des Zahlungsdienstleisterunternehmens

Die Tochtergesellschaft Wirecard Bank mit deutscher Banklizenz ist seit 2006 Teil der Wirecard-Unternehmensgruppe. Im Januar 2018 löste der Münchner Zahlungsdienst die Deutsche Bank als wertvollstes Geldinstitut ab. Seit dem 24. September 2018 wird die Aktie von Wirecard am DAX gehandelt. Ein Jahr später, im Jahr 2019, geht die Wirecard AG eine Kooperation mit dem chinesischen Payment-Unternehmen YeePay ein. Das Münchner Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2004 machte Wirecard einen Umsatz von 6,8 Millionen Euro und beschäftigte 18 Mitarbeiter. Im Jahr 2018 betrug der Umsatz 2.016,2 Millionen Euro und die Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter 5.154. Doch bereits seit mehreren Monaten wird Wirecard von verschiedenen Medien die Manipulation von Bilanzen vorgeworfen. Das Manager Magazin berichtete bereits im Februar 2017 über angebliche intransparente Bilanzierungspraktiken. Im Februar 2019 erschien ein Bericht über angebliche unlautere Geschäftsgebaren in der Financal Times. Die Vorwürfe wurden stets von Wirecard zurückgewiesen.

Der Verdacht der Marktmanipulation

Die angekündigte Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2019 für den 29. April 2020 wurde von Wirecard verschoben. Wirecard konnte auch an weiteren angekündigten Terminen keinen testierten Jahresabschluss vorlegen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen, kurz BaFin, erstattete im Juni Anzeige gegen den Vorstandsvorsitzenden Markus Braun sowie gegen drei weitere Vorstandsmitglieder wegen Verdachts der Marktmanipulation. Diesen Donnerstag wurde die Veröffentlichung des Jahresabschlusses dann zum vierten Mal verschoben. Das Unternehmen gab zu, dass 1,9 Milliarden Euro seiner Bilanz nicht belegt werden können. Bisher hatte die Gesellschaft diese Konten als Aktivposten ausgewiesen, da sie von deren Existenz ausgegangen waren. Ein Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young stellte das Milliardenschwere Loch in der Bilanz fest, weshalb das Testat für den Jahresabschluss verweigert wurde. Die Aktienkurse fielen daraufhin zwischenzeitlich um mehr als 70%.

Ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen:

  • Am Donnerstag, den 18. Juni wurde COO Jan Marsalek mit sofortiger Wirkung von seinem Vorstandsposten freigestellt. Diese Freistellung gilt bis zum 30. Juni 2020.
  • Am Freitag, den 19. Juni, verkündete der langjährige CTO und CEO Markus Braun seinen Rücktritt.
  • Am Sonntag, den 21. Juni, teilte die Zentralbank von Manila mit, dass es keine Hinweise auf die Existent der Konten gebe. Wirecard sei kein Kunde. Laut Wirecard hätten die philippinischen Banken BDO Unibank sowie Bank of the Philippine Islands mitgeteilt, dass „die betreffenden Kontonummern nicht zugeordnet werden konnten“. Dokumente von externen Prüfern, welche Gegenteiliges behaupten, seien gefälscht.
  • In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni gestand Wirecard dann ein, dass die 1,9 Milliarden Euro aus der Jahresbilanz mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ gar nicht existieren.
  • Heute, am 22. Juni, notierte die Wirecard-Aktie um 8:15 Uhr nur noch bei 11 Euro, notierte zuletzt jedoch wieder bei 17 Euro.
  • Zahlreiche Anleger stoßen die Aktien jetzt so schnell wie möglich ab.
  • Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft München Ermittlung wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung eingeleitet.

Steht Wirecard vor der Insolvenz?

Eine Insolvenz des Unternehmens ist nicht mehr ausgeschlossen. Insbesondere den Banken kommt hierbei die entscheidende Rolle zu. Diese könnten dem Bezahldienstleister den Geldhahn zudrehen, indem sie dem Unternehmen eine 1,75 Milliarden Euro schwere Kreditlinie kappen.

1 Kommentar

  1. nachtigall, ich hör dir trapsen.

    alle sogenannten experten und bankhäuser haben doch ohne weitere prüfungen, die aktie hochgepriesen und empfohlen.
    jetzt tun sie alle erschrocken, befürchten insolvenz. diese heuchler und pharisäer sind doch jetzt die ratten, die ein angeschlagenes schiff, das noch nicht gesunken ist, schnell verlassen.
    auch ist eine spektakuläre aktienmanipulation möglich.

    slle aufsichtsbehörden haben doch nur genickt und versagt, anstatt ihre arbeit zu machen. und wenn es betrug und täuschung ist, findet die justiz keinen kuhfladen auf der weide. die verarschtem anleger sind die verlierer. nur wer 5 kmh zu schnell mit dem auto ist, der muss hart bestraft werden.

    harry-s

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