Urteil – Außerordentliche Kündigung wegen Datenspeicherung auf Laptop

Urteil

Ein Arbeitnehmer war bei einem Unternehmen seit vielen Jahren als Leiter der IT/TK-Abteilung beschäftigt und dort für die Betreuung der Hard- und Software zuständig. Dem Unternehmen fiel auf, dass sich der Mann monatelang nicht mehr in dem Firmennetzwerk eingeloggt hatte, um die Daten mit denen auf dem Firmenlaptop zu synchronisieren. Darauf angesprochen erklärte der Mitarbeiter, er speichere diese Daten direkt auf seiner privaten Festplatte. Bei einer Untersuchung der Datenträger stellte sich heraus, dass sich auf dem Firmenlaptop unter anderem private Daten und auf der privaten Festplatte auch firmeneigene Daten befanden, die zudem zwar mit einem Passwort gesichert, aber unverschlüsselt abgelegt waren.

In dem Unternehmen gab es diverse Vorgaben, die gegen ein solches Vorgehen sprachen. Der Mitarbeiter hatte sogar in seiner Stellung als Leiter der IT/TK-Abteilung andere Mitarbeiter mehrfach auf die nötige Einhaltung dieser Vorgaben und die arbeitsrechtlichen Konsequenzen bei Nichteinhaltung hingewiesen.

Die Firma stellte den Mitarbeiter von seiner Tätigkeit frei. Das Unternehmen sah in dem Vorgehen seines Mitarbeiters einen massiven Verstoß gegen die Obhuts- und Rücksichtnahmepflichten. Nach einer Rücksprache mit dem Betriebsrat kündigte es dem Mann außerordentlich. Dagegen klagte der ehemalige Mitarbeiter, weil er unter anderem keinen Grund für die außerordentliche Kündigung sah.

Das Arbeitsgericht entschied, dass die außerordentliche Kündigung nicht wirksam ist. Die Berufung des ehemaligen Arbeitgebers wies das Landesarbeitsgericht Nürnberg ab und auch die Revision vor dem Bundesarbeitsgericht wurde abgewiesen. Das entschied, dass das Arbeitsverhältnis nicht aufgelöst ist, denn es fehle ein wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung. Der Verstoß des Arbeitnehmers rechtfertige keine außerordentliche Kündigung. Das sei nicht verhältnismäßig. Der Arbeitnehmer hätte zunächst abgemahnt werden müssen. Eine Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers sei dem Arbeitgeber trotz Vorliegens einer erheblichen Pflichtverletzung jedenfalls bis zum Ablauf der Kündigungsfrist zumutbar.

Bundesarbeitsgericht, Aktenzeichen 2 AZR 282/10 vom 24.03.2011

Weitere Informationen

Gerichtsurteile Internet

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
„Vinted“-Falle endet vor Gericht – Versicherung muss nicht zahlen

„Vinted“-Falle endet vor Gericht

Versicherung muss nicht zahlen

Eine Verkäuferin hat durch eine raffinierte Betrugsmasche auf „Vinted“ mehr als 1 900 Euro verloren. Sie forderte Ersatz von ihrer Versicherung. Ein Gericht hat jetzt allerdings entschieden, dass die Versicherung nicht für den entstandenen Schaden aufkommen muss. […]

Internetnutzung sinkt deutlich - Warum Menschen bewusster online sind

Internetnutzung sinkt erstmals deutlich

Warum viele Menschen bewusster online sind

Weniger Smartphone, weniger Social Media, weniger Zeit im Netz: Eine aktuelle Studie zeigt einen überraschenden Trend. Immer mehr Menschen reduzieren ihre Internetnutzung bewusst – und suchen nach mehr Konzentration, Ruhe und digitaler Balance im Alltag. […]

Neue Strom-Regeln ab Juni – Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Neue Strom-Regeln ab Juni

Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Eine Gesetzesänderung macht Energy Sharing in Deutschland möglich. Haushalte, Vereine und Unternehmen dürfen selbst erzeugten Strom künftig lokal teilen. Doch trotz großer Chancen gibt es noch offene Fragen bei der Umsetzung. […]

Messenger-Betrug 2026: KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Messenger-Betrug 2026

KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt: Betrüger verlagern ihre Angriffe immer stärker auf WhatsApp, Telegram und andere Messenger. Künstliche Intelligenz macht die Nachrichten dabei täuschend echt – mit teils erheblichen finanziellen Folgen für die Opfer. […]

Silent Calls

Silent Calls

Warum stumme Anrufe ein Warnsignal sein können

Das Telefon klingelt, doch am anderen Ende meldet sich niemand. Was wie ein harmloser Fehlanruf wirkt, kann Teil einer professionellen Betrugsmasche sein. Kriminelle nutzen sogenannte Silent Calls, um aktive Telefonnummern zu identifizieren und gezielt für spätere Betrugsversuche auszuwählen. […]

Kampf um Router-Freiheit – Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Kampf um Router-Freiheit

Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Darf Vodafone Kunden bei Glasfaseranschlüssen bestimmte Modems vorschreiben? Genau diese Frage soll nun ein Gericht klären. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sieht die gesetzlich verankerte Endgerätefreiheit in Gefahr und zieht vor das Oberlandesgericht Hamm. […]