Urteil – Kostenpflichtigkeit bei Onlinespiel ohne Altersverifikation

Urteil - Kostenpflichtigkeit bei Onlinespiel ohne Altersverifikation

Der minderjährige Sohn des späteren Beklagten nutzte eines der zahlreichen in dem Internet zu findenden Gratis-Onlinespiele. Zu diesem in der Standardversion kostenlosen Onlinespiel können zusätzliche Funktionen gekauft werden, deren Kosten über die Telefonrechnung abgerechnet wurden. Der Junge kaufte kostenpflichtige Features im Wert von fast 3.000 €. Der Vater des Kindes und Inhaber des Telefonanschlusses weigerte sich, die Rechnung zu begleichen. Das Onlinegame habe keine Altersverifikation, obwohl es von Minderjährigen aufgerufen werden könne. Deshalb sei die Forderung sittenwidrig.

Die Betreiberin der kostenpflichtigen Rufnummer, über die der Kauf der Zusatzfunktionen erfolgte, klagte gegen den Anschlussinhaber und forderte die Zahlung des Betrages. Die Richter urteilten aber zugunsten des Vaters. Das Onlinespiel sei so aufgebaut, dass es insbesondere für jüngere Internetnutzer interessant sei. Das Konzept ziele darauf, dass der Schutz des beschränkt Geschäftsfähigen umgangen werde. Minderjährige haben fast uneingeschränkten Zugriff auf die kostenpflichtigen Zusatzfunktionen, weil keine Altersverifikation vorgenommen werde. Deshalb sei die Geltendmachung der berechneten Gebühren sittenwidrig.

Landgericht Saarbrücken, Aktz. 10 S 60/10 vom 22.06.2011

Weitere Informationen

Gerichtsurteile Internet
Fehlerhafte Telefonrechnung

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


3 × drei =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Brexit-Falle – Zusatzkosten beim Einkauf in britischen Onlineshops

Brexit-Falle

Zusatzkosten beim Einkauf in britischen Onlineshops

Aktuell häufen sich die Beschwerden von Verbrauchern, die Ware in britischen Onlineshops bestellt haben. Häufig fallen hohe Zusatzkosten an, da das Land nicht mehr zum EU-Binnenmarkt gehört. Die Händler informieren die Kunden meist jedoch nicht ausreichend über die zusätzlichen Kosten. […]

Zyklus-Apps – Intime Daten häufig ungefragt an Dritte weitergegeben

Zyklus-Apps

Intime Daten häufig ungefragt an Dritte weitergegeben

Millionen Frauen weltweit geben regelmäßig hochsensible Daten in Zyklus-Apps ein. Diese Daten werden jedoch nicht ausreichend geschützt und häufig ungefragt an Dritte weitergegeben. Dies zeigt eine Analyse von Forschern der Newcastle University und der Umeå University. […]

Fake Pop-Up-Fenster – BNetzA schaltet Rufnummern konsequent ab

Fake Pop-Up-Fenster

BNetzA schaltet Rufnummern konsequent ab

Die Bundesnetzagentur warnt vor falschen Pop-Up-Fenster-Fehlermeldungen und schaltet weiterhin konsequent Rufnummern ab, die dort für vermeintliche Hilfe angegeben werden. Hinter den Fake Pop-Ups stecken Betrüger, die Verbraucher zu einem teuren Reparaturauftrag drängen wollen. […]