Alles Lüge? – Flirt- und Datingplattformen im Internet

Alles Lüge? – Flirt- und Datingplattformen im Internet

Singlebörsen, Flirtplattformen und Casual-Dating-Portale im Internet boomen. Angeblich sieben Millionen Menschen tummeln sich auf deutschen Partnerschaftsvermittlungsportalen. Das Chatten und Verlieben wird damit immer mehr zu einem ganz normalen Weg, sich kennen und lieben zu lernen. Doch was ist, wenn der oder die Gegenüber gar nicht echt ist? Einige Portale sprechen immerhin offen in ihren Nutzungsbedingungen von Animateuren oder Promotoren. Diese sind ausschließlich dazu da, insbesondere männliche Kunden bei Laune zu halten. Andere Portale erwecken einen vertrauenswürdigen Anschein. Ob sich hinter der nächsten flirtenden Dame oder dem nächsten willigen Herrn nicht doch ein Fake versteckt, kann der Nutzer aber erst erfahren, wenn es zu einem persönlichen Kontakt kommt. E-Mails und Anrufe können ein Fake sein. Offensichtliches Ziel: Nutzern Geld für Premiumdienste aus der Tasche zu ziehen.

Wie seriös ist Lovoo?

Nach dem Hacker-Angriff auf die Dating-Plattform Ashley Madison gab es bereits die Vermutung, dass die Profile der Frauen dort nicht echt sind. Nun ist dem Computermagazin c’t ein Dokument zugespielt worden, dass auch die deutsche Flirtplattform Lovoo in ein schlechtes Licht rückt. Angeblich sollen die Betreiber massenhaft Fake-Profile erschaffen haben und diese mit suchenden Männern kommunizieren lassen. So würde man zahlungswillige Kunden bei Laune halten.

Auch wenn bisher nicht endgültig geklärt ist, ob die Dokumente echt sind, haben c’t-Redakteure einen Selbstversuch gewagt. Bei diesen Test zeigte die Plattform genau de Mechanismen, die auf einen Betrug nach Angaben der Dokumente schließen lassen könnten. Die c’t schreibt dazu: „Unsere Profile wurden häufig von – laut Lovoo-App – flirtwilligen Nutzerinnen besucht und positiv bewertet. Auf unsere stichprobenartig abgeschickten Chat-Nachrichten bekamen wir allerdings keine einzige Antwort.„

Unabhängig davon, ob es sich um Fake-Profile handelt: Beim Nutzer wird Vertrauen erweckt und er möchte wissen, wer ihn da besucht hat. Um die verschwommenen Fotos ganz zusehen, muss er aber Credits kaufen … Ein möglicher Mechanismus für betrügerische Absichten. Nach Aussagen von c’t habe Lovoo keine klare Stellung zu diesen und weiteren Vorwürfen genommen. Dass allein hier von den weltweit angeblich 37 Millionen Nutzer möglicherweise ein großer Anteil aus Chatbots besteht, wäre ein handfester Skandal.

Auch klassische Partnervermittlung unter Betrugsverdacht

Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung heute berichtet, steht auch eine klassische Partnervermittlung unter Betrugsverdacht. In diesem Fall soll eine Seniorin Kontakt zu einem Profil aus einer Tageszeitung hergestellt haben wollen. Daraufhin erhielt sie Besuch eines Vertreters der zuständigen Partnervermittlung. Dabei wurde sie angehalten, 9.250 Euro zu zahlen, um eine Liste mit interessierten Partnern zu erhalten. Kontakt kam nie zustanden. Diese Liste ist nun Gegenstand eines Gerichtsprozesses.

Mit dem Schlimmsten rechnen: Vorsicht bei Betrugsverdacht

Beide Fälle zeigen eins: Liebe macht blind. Das trifft auch auf so manchen Nutzer zu, der sich von angeblichen Profilen ansprechen lässt. Meistens sind für eine Kontaktaufnahme ein Premiumdienst und damit eine Zahlung verbunden.

Es gibt viele seriöse Partnervermittlungsbörse und Flirtplattformen im Internet. Oft hängt die Seriosität von den dortigen Nutzern ab. Aber wer das Gefühl hat, er kommuniziert mit einem Computer, trotz vieler Kontakte kein Date zu bekommen, nicht einmal zum Telefonkontakt vordringt oder sich trotz vieler Nutzer auf einer Plattform einsam fühlt, sollte wachsam sein. Denn eins ist klar: Der Liebeswunsch ist auch eine Geldmaschine – nicht nur für seriöse, sondern leider auch für unseriöse Plattformen. Ehe jemand aus Verzweiflung Geld für Animateure ausgibt, sollte man dann lieber einen Widerruf der Mitgliedschaft verfassen und eine neue Plattform suchen.

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