Telefon-App – Facebook sagt „Hello“

hello

Nachdem Facebook vor Kurzem seinen Zukauf WhatsApp mit einer Telefonfunktion ausgestattet hat, legt der Konzern einen drauf. Die Android-App Hello ist in den Testbetrieb gegangen. Bisher ist diese nur in den USA, Brasilien und Nigeria nutzbar, soll aber bald weltweit funktionieren.

Das kann die App Hello

Hello erinnert auf dem ersten Blick scheinbar stark an die Telefonfunktion von WhatsApp. Dieser Schein trügt aber gewaltig. Zwar ist es geplant, Telefonate über WLAN oder mobiles Voice Over IP (VoIP) zu führen. Dies ist jedoch nicht der Kern der App-Funktion. Vielmehr erfährt ein Nutzer bei einem Anruf alle öffentlich freigegebenen Informationen des Anrufers. Dazu greift die App auf Facebook-Daten zurück. Auf diese Weise ist es möglich, Anrufer vor dem Abnehmen kurz zu überprüfen und ggf. zu blockieren. Dieser wird dann auf die Mailboxfunktion umgeleitet. Die Nummer des Anrufers muss sich dabei noch nicht in der Kontaktliste des Nutzers befinden. Die App Hello liefert die Facebook-Daten auch dann aus, wenn bisher keinerlei Kontakt stattfand. Eine weitere Funktion der App ermöglicht es dem Nutzer, nach Personen und Orten sowie Geschäften zu suchen. Weiterhin sollen bestimmte Ereignisse wie beispielsweise der Geburtstag der Personen im Kontaktbuch eingeblendet werden. Zusätzlich ist Hello mit dem Facebook-Messenger verknüpft.

Darum ist die Facebook-App Hello gefährlich

Bisher ist Hello nur als Android-App in den drei Ländern erhältlich. Facebook hätte die Funktion gern auf iPhones angeboten, hat aber von Apple keine Genehmigung erhalten. Grund: Die App fordert sehr viele umfassende Rechte an. Es ist daher zu vermuten, dass Apple sich vorerst weiter weigert, eine entsprechende App von Facebook anzubieten.

Ungeachtet der Rechtevergabe auf dem Smartphone ist Hello aber eine App, die für Nutzer potenziell gefährlich ist. Denn mit der App sammelt Facebook zusätzliche Daten und liest Kontaktlisten aus. Der Konzern weiß zukünftig, mit welchen Personen der Nutzer telefoniert und welche er abweist. Es ist bisher nur eine Vermutung, aber Facebook wird diese Daten höchstwahrscheinlich zur Optimierung von Werbung und ggf. beim Verkauf von Nutzerdaten an Dritte auswerten oder sogar ausnutzen. Der gläserne Nutzer wird noch angreifbarer.

Welche Gefahren in diesem Eingriff in das Telekommunikationsgeheimnis liegen, zeigen kommerzielle Ansätze. Einzelne Start-ups bereiten Nutzerdaten bereits so auf, dass personalisierte Angebote via App dann auf dem Smartphone erscheinen, wenn diese für den Nutzer wahrscheinlich interessant sind. Beispielsweise erhalten Nutzer Angebote für Reiseversicherungen, wenn diese mit dem Smartphone eine Reise buchen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass bei einem schlechten Kontaktumfeld Angebote oder Versicherungen teurer werden können. Die sozialen Kontakte im Internet werden so zum relevanten Faktor der Preisbildung für Produkte, die sehr tief in das reale Leben eingreifen können bzw. wie bei Versicherungen eine wichtige Funktion haben.

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