10 GBit/s – schwedischer Anbieter zeigt wirklich schnelles Internet

schnelles Internet

Der Zustand der deutschen Netzstruktur ist im internationalen Vergleich geradezu bemitleidenswert. Experten sehen kopfschüttelnd zu, wie eine deutsche Bundesregierung nach der anderen das schnelle Internet fordert, aber durch politische Fehlentscheidungen eben dieses immer wieder verhindert. Seit Jahren heißt es, Deutschland dürfe nicht abgehängt werden, das Gigabit-Netz müsse kommen und jeder Nutzer müsse wenigstens 100 MBit/s zur Verfügung haben.

Die Realität sieht anders aus. Vectoring beschleunigt zwar alte Kupferleitungen, ist aber nur ein Herumdoktern an den Symptomen. Denn es mangelt seit Jahren trotz Ausbau der Zuleitungen an Glasfaserausbau in der Fläche. Hinzu kommt, dass die Anbieter ihre Bandbreitenversprechen nicht immer einhalten.

Dabei ist ein schnelles Internet nicht nur wirtschaftlich längst sinnvoll und regional sogar erforderlich, sondern auch machbar. Das zeigt der schwedische Provider Bahnhof.

10 GBit/s für Privatkunden

Gigabit-Leitungen sind in Schweden nicht flächendeckend vorhanden. Aber sie sind so verbreitet, dass sie alles andere als exotisch sind. Viele Kunden nutzen bereits solche Turbo-Anschlüsse. In Deutschland dagegen jubeln Power-Nutzer in der Stadt, wenn ein regionaler Anbieter eine Glasfaserleitung oder eine TV-Kabelleitung gelegt hat, die 250 MBit/s oder sogar 400 MBit/s liefert. Das ist nur ein Teil der Kapazität, die in Schweden immer mehr zur Normalität wird.

Der schwedische Provider Bahnhof setzt nun einen oben drauf. Er lockt Kunden mit Bandbreiten von bis zu 10 GBit/s. Diese superschnelle Leitung ist zudem extrem günstig. Bahnhof verlangt als Einführungspreis nur rund 30 Euro monatlich für den Anschluss. Später sollen die Kosten auf ca. 50 Euro steigen.

Luxusprobleme: Turbo-Internet derzeit kaum ausschöpfbar

Das aus deutscher Sicht sensationelle Angebot hat jedoch einen Haken. Denn der Großteil der Geräte in der heimischen Infrastruktur der Kunden dürfte Probleme haben, die volle Bandbreite zu nutzen. Ohne spezielle PC-Karten oder Switches, über die der Kunde die Bandbreite an seine Geräte weitergibt, sind 10 GBit/s zwar vorhanden, aber eben nicht ausschöpfbar. Daher ist dieses Angebot auch als Hinweis an die Hersteller von Netzwerkkomponenten zu verstehen, nachzulegen und eine neue, leistungsstarke Generation von Geräten zu produzieren.

Auch wenn Bahnhof die 10 GBit/s nicht zuletzt aus Marketinggründen startet: Das Angebot zeigt, dass es geht. Rasend schnelles Internet ist machbar, wenn Politik und Wirtschaft es wirklich wollen. Dass ein Provider voranschreitet ist wichtig. Denn häufig werden Netze nur an die Möglichkeiten angepasst. Nun können Anbieter aber Dienste entwickeln, ohne auf eine zu langsame Leitung Rücksicht nehmen zu müssen. Das setzt neue Impulse für das Entstehen kundenfreundlicher und nützlicher Angebote. Die Bundesregierung und die deutschen Anbieter können von diesem Vorpreschen des schwedischen Providers lernen.

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