Falsche Microsoft-Anrufe – Die Vorgehensweise der Betrüger

Falsche Microsoft-Anrufe – die Vorgehensweise der Betrüger

Angebliche Mitarbeiter von Microsoft rufen arglose Bürger an und ergaunern im Anschluss daran hohe Geldbeträge. Diese Betrugsmasche, in Sicherheitskreisen „Tech Support Scam“ genannt, ist sehr erfolgreich und bereits seit vielen Jahren in nahezu allen Ländern verbreitet. Obwohl das Problem schon lange bekannt ist, tappen ahnungslose Bürger immer wieder in die Falle der Kriminellen. Am anderen Ende der Leitung sitzen jedoch keine Microsoft-Mitarbeiter, sondern wahrscheinlich Betrüger in einem Call-Center in Indien.

Die Betrugsmasche ist seit langer Zeit bekannt

Schon im Jahr 2014 warnte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen vor dieser betrügerischen Masche. Allein im Jahr 2016 gab es über 7.500 bekannte Geschädigte in Deutschland – wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte. Der Staatsanwaltschaft Osnabrück gelang damals gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Niedersachsen und den Behörden in Indien ein Schlag gegen die Cyberkriminellen. Sieben Personen wurden verhaftet. Trotz dieses Erfolgs ist die Betrugsmasche mit den angeblichen Microsoft-Mitarbeitern bis heute brandaktuell.

Die betrügerischen Anrufe

Für den Betrug werden verschiedene Rufnummern aus unterschiedlichen Ländern verwendet. In vielen Fällen sprechen die angeblichen Mitarbeiter ausschließlich Englisch oder nur gebrochenes Deutsch. Die Masche ist allerdings immer die gleiche. Angebliche Microsoft-Mitarbeiter rufen ahnungslose Bürger an und geben an, dass es Probleme auf ihrem Laptop oder Computer geben. In einigen Fällen wird angegeben, dass sich ein Virus auf dem Rechner befindet, in anderen Fällen ist eine Lizenz abgelaufen oder es wird vorgegeben, dass der Rechner gehackt wurde. Anschließend wird von den Cyberkriminellen gefordert, dass der Bürger ein Fernwartungsprogramm herunterlädt, damit Microsoft angeblich gegen einen kleinen Betrag die Reparatur übernehmen kann. Durch die Einwilligung der Betroffenen ist es den Cyberkriminellen möglich, einen vollständigen Zugriff auf den PC zu erlangen. Hierdurch können unter anderem Kreditkartendaten oder die Zugangsdaten zum Online-Banking ausspioniert werden. Weigert sich der Angerufene zu bezahlen, drohen die Cyberkriminellen mit dem Sperren des Computers oder dem Löschen von Daten auf dem Rechner, um Druck auszuüben.

Das Amtsgericht München verurteilt Beklagten zu einer Rückzahlung

Vor dem Amtsgericht in München wurde Anfang dieses Jahres ein Fall verhandelt, indem ein 77-jähriger Rentner Betrügern zum Opfer gefallen ist. Unter einer deutschen Telefonnummer hatten sich unbekannte Täter als Mitarbeiter einer Londoner Servicefirma von Microsoft ausgegeben. Die Betrüger gaben an, dass ein Trojaner auf dem Laptop des Rentners festgestellt wurde und sie ihm nun einen Internetschutz für verschiedene Laufzeiten bieten würden. Der Kläger entschied sich für die kürzeste Laufzeit von einem Jahr für 25 Euro. Als der Vorgang abgeschlossen war, stellte der Mann fest, dass statt lediglich 25 Euro 4 000 Euro überwiesen wurden. Vor Gericht gab der Beklagte an, dass er selbst Opfer der Betrüger geworden sei, die sich als Mitarbeiter von Microsoft ausgaben. Die unbekannten Täter hätten ihm daraufhin eine Schadenswiedergutmachung in Höhe von 4.000 Euro angeboten. Das Amtsgericht München gab dem Kläger recht und verurteilte den Beklagten zu einer Rückzahlung der 4 000 Euro nebst Zinsen.

Kein Einzelfall

Dass sich unbekannte Täter als Mitarbeiter von Microsoft ausgeben, ist jedoch weiterhin kein Einzelfall. Erst im Juli dieses Jahres warnte die Polizei Hannover erneut vor dieser Betrugsmasche, da eine 59-jährige Hannoveranerin Opfer dieses Tricks wurde und um mindestens 5.000 betrogen wurde. Nach einem mehrstündigen Gespräch mit den unbekannten Tätern gewährte die Frau einen Fernzugriff auf ihren Computer sowie ihr Smartphone. Überdies wurden zwei Onlinekonten im Namen der Betroffenen eröffnet, mit denen weitere Straftaten begangen wurden.

Wie können sich Verbraucher vor dieser Betrugsmasche schützen?

Bürger, die einen Anruf von vermeintlichen Microsoft-Mitarbeitern erhalten, sollten zunächst auflegen und sich die Rufnummer unbedingt notieren. Die Rufnummer sollte im Anschluss an die Polizei weitergeleitet werden. In keinem Fall sollten sich Bürger dazu hinreißen lassen, eine Fremdsoftware auf ihrem Laptop oder Computer zu installieren. Auch von möglichen Drohungen sollten sich die Betroffenen nicht einschüchtern lassen. Wurde bereits eine Software, auf Drängen der Cyberkriminellen hin, installiert, sollte das Gerät schnellstmöglich vom Netz genommen werden. Im Anschluss daran sollten unbedingt alle Passwörter geändert werden. Die Polizei sollte so schnell wie möglich über den betrügerischen Anruf informiert und Anzeige erstattet werden.

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