1&1 – Extra-Berechnung für Telefonkonferenz trotz Telefonflatrate

Falle

In der aktuellen Corona-Krise arbeiten zahlreiche Menschen gezwungenermaßen im Home-Office. Um mit den Kollegen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Kontakt zu bleiben, werden Video- oder Telefonkonferenzen veranstaltet. 1&1 berechnet die Nummern von Telefonkonferenz-Anbietern, welche per Festnetznummer mit lokaler Ortsnetzvorwahl erreichbar sind, trotz Flatrate extra. Da viele 1&1-Kunden dies jedoch nicht wissen, erleben sie eine böse Überraschung, wenn die nächste Rechnung kommt.

Konferenzdienste sind bei den fast allen Anbietern kostenfrei

Es gibt zahlreiche verschiedene Telefonkonferenz-Dienste. Seit vielen Jahren bieten die Dienste Festnetznummern für das Einwählen in die Telefonkonferenz an. Verfügt der Kunde über eine Festnetz- oder eine Allnet-Flatrate fallen demnach keine extra Gebühren an, wenn der Kunde an einer solchen Telefonkonferenz teilnimmt. Dies gilt für nahezu alle Festnetzanbieter.

Kostenfalle: 1&1 berechnet Konferenzdienste extra

Eine Ausnahme hiervon ist bereits seit Jahren 1&1. Im Jahr 2008 sperrte der Anbieter den Zugang zu solchen Konferenznummern für den Telefonanschluss der Kunden. Drei Jahre später informierte 1&1 seine Kunden erstmals überhaupt darüber, dass für die Verwendung solcher Nummern extra Berechnungen erhoben werden. Allerdings werden die Kunden bis heute nicht explizit beim Rufaufbau über die anfallenden Extrakosten informiert. Aus diesem Grund sind viele Kunden im Unwissen darüber, dass sie für jede Minute der Telefonkonferenz bezahlen müssen – trotz Festnetz- oder Allnet-Flatrate. Möglich ist dies, da es keine gesetzliche Definition für „Flatrate“ gibt, wodurch jeder Anbieter den Begriff so auslegen kann, wie er will.

Welche Konferenzdienste werden extra berechnet?

1&1 hat auf einer speziellen Seite im Hilfe-Center PDF-Preislisten hinterlegt. Auf diesen sind die Festnetznummern der Konferenzdienste aufgelistet, die trotz einer Flatrate nicht kostenfrei sind. Die Preisliste wird regelmäßig erneuert und um weitere Telefonnummern der Konferenz-Dienste ergänzt.

Extra-Berechnung während der Corona-Krise

Momentan greifen immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezwungenermaßen auf solche Dienste zurück, um mit den Kollegen in Kontakt bleiben zu können. Doch selbst während der aktuellen Corona-Krise, weicht 1&1 nicht von dem Vorgehen ab. Da viele Kunden unwissend darüber sind, dass extra Kosten anfallen und derzeit teilweise mehrere Stunden am Tag auf solche Konferenzdienste zurückgreifen müssen, können sehr hohe Summen an Extra-Kosten anfallen. Wer also in der aktuellen Situation von seinem Arbeitgeber dazu verpflichtet wird, an einer Konferenz teilzunehmen, muss sich auf separate Kosten auf der Rechnung einstellen.

Ein Rechenbeispiel

Pro Minute berechnet der Anbieter die Anrufe mit 2,9 Cent. Ein Arbeitnehmer, beispielsweise Herr M., muss täglich rund drei Stunden an einer Telefonkonferenz teilnehmen. Herr M. arbeitet 22 Tage im Monat. Er ist nicht darüber informiert, dass für die Festnetznummer, über die der Konferenzdienst erreichbar ist, extra Gebühren von 1&1 erhoben werden. Am Ende des Monats könnte er sich nun mit 114,84 Euro mehr auf seiner Rechnung konfrontiert sehen, höhere Kosten sind bei intensiverer Nutzung nicht ausgeschlossen.

Welche Alternativen haben Kunden?

Eine denkbare Alternative wäre, einen Konferenz-Dienst zu wählen, der sich nicht auf der PDF-Liste von 1&1 befindet. Allerdings wird Mitarbeiter zumeist von ihrem Arbeitgeber vorgegeben, einen ganz bestimmten Dienst zu verwenden. Der Kunde hat demnach nicht die Möglichkeit, zu einem Konferenz-Dienst zu wechseln, der sich noch nicht auf der Liste befindet. Darüber hinaus wird die Liste von 1&1 regelmäßig erweitert.
Verbraucher sollten sich daher überlegen bei der nächsten Möglichkeit zu einem anderen Festnetz– oder Mobilfunkanbieter zu wechseln. Wer nicht warten möchte, bis die Mindestvertragslaufzeit zu Ende ist, hat die Möglichkeit zu einer günstige Allnet-Flatrate extra für Telefonkonferenzen bei einem Handy-Provider. Eine Allnetflatrate in alle Netze ist aktuell bereits ab 5,49 € monatlich erhältlich (Stand 29.05.2019).

5 Kommentare

  1. Ich bin Kunde bei 1und1 und wurde wie oben beschrieben von meiner erhöhten Rechnung überrascht. Bis dahin war mir diese Ausschlussliste nicht bekannt. Wenn das irgendwo versteckt steht und das vom Kunden übersehen wird, ist das ärgerlich und unseriös. Wenn aber im laufenden Vertrag die vereinbarte Flatrate aufgeweicht wird und bisher kostenlose Rufnummern plötzlich etwas kosten, ist das Vertragsbruch. Eindeutiger Beleg ist die Erweiterung der bereits 100-seitigen Liste seit März 2020 (also Corona-bedingt) um weitere 25 Rufnummern auch für Bestandskunden.

  2. Mir ging es genauso. Ich habe mich auch auf die Festnetzflat verlassen. Preistransparenz bei 1&1 Fehlanzeige. Ich habe nach langer Suche bei 1&1 diese 100 seitige Liste tatsächlich gefunden. 1&1 erwartet scheinbar von ihren Kunden das sie jedesmal diese Liste durchforsten bevor sie eine Festnetznummer anrufen. Eine absolute Frechheit. Ein Hinweis bei Anruf dieser Nummern das sie kostenpflichtig sind erfolgte nicht. Der Kunde wird hier willentlich in die Irre geführt. Ob das rechtens ist wage ich zu bezweifeln. Die Bundesnetzagentur habe ich informiert doch die interessiert das nicht.

    • Mal dazu eine Anmerkung. Ich habe auf meiner Preisliste ebenfalls zusätzliche Gebühren für Telefonkonferenzdienste entdeckt und beim Service von 1&1 angerufen.
      Mir wurde bestätigt, dass dies korrekt sei und die Liste zugeschickt. Hundert Seiten ist wahrlich übertrieben, da schaut keiner durch.
      Aber ich bekam anstandslos als PRIVATKUNDE die Kosten wieder gut geschrieben, da in der Coronakriese 1&1 solidarisch sei.
      Also auf schreibt den Service an jedoch würde ich dies als Privatnutzer sehen, für Firmenkunden gilt dies sicher eher nicht.
      Kleiner Tipp Telefon und Videokonferenzen Klassen sich auch über Onlineverbindungen regeln. Dies setzt aber ein entsprechend gutes Netz voraus.
      LG

  3. Ich habe zu diesem Thema auch die Bumdesnetzagentur angeschrieben aber die fühlten sich nicht zuständig und verwiesen n die Verbraucherzentrale.

  4. Ich weiß davon und mache deshalb schon seit Jahren einen großen Bogen um 1&1.
    So ein Gebahren gegenüber Kunden finde ich nur abstoßend.

    Habe mir den Provider ausgesucht, der die bestmögliche Bewertung im Bereich Service hat, die ich hier bekommen kann.
    Vorher war ich bei Versatel. Eine Katastrophe sondergleichen, nun bei 1&1 eingegliedert.

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