Kriminalitätsbekämpfung – WLAN-Router sollen den Wachmann ersetzen

Kriminalitätsbekämpfung – WLAN-Router sollen den Wachmann ersetzen

„Einbruchdiebstähle in Wohnungen und andere Gebäude sind seit Jahren ein Sicherheitsproblem (…). Sie führen zu einem abnehmenden Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung“, sagt Klaus Albers, Projektkoordinator der Polizeidirektion Osnabrück

Dieser Problematik wollen nun Forschende der Universität Bonn gemeinsam mit der Polizeidirektion Osnabrück sowie dem Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, im Rahmen eines gemeinsamen Projektes „Forschung für die zivile Sicherheit“ entgegenwirken.

Was steckt hinter dem Projekt?

Das Vorgehen, WLAN-Router als Ersatz für Wachmänner einzusetzen, trägt den Namen „WACHMANN“, was für WLAN-basierte Aufzeichnung von Charakteristiken tatortnaher Mobiler Endgeräte zur Alarmierung und Nachverfolgung von Eigentumskriminalität steht. Insgesamt sollen innerhalb von zwei Jahren 560 000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, kurz BMBF, hierfür an die Universität Bonn fließen. Das Ziel ist es, die Einbruchskriminalität mit Hilfe von WLAN besser verfolgen zu können und somit die technischen Handlungsmöglichkeiten für Polizei und Bürger verbessern.

Weshalb Einbruchsdiebstähle schwer aufzuklären?

Die Aufklärungsquote bei Eigentumskriminalität ist konstant niedrig. Dies lässt sich zum einen auf die sehr organisierten Strukturen der Kriminellen zurückführen, die oft über eine grenzüberschreitende Mobilität verfügen und zum anderen auf die gute technische Ausstattung der Kriminellen. Um die Aufklärungsquote zu verbessern, fehlten bisher technische Ansätze zur Unterstützung der Polizeiarbeit.

Wie sollen WLAN-Router zum Einsatz kommen?

Das Projekt sieht eine technische Weiterentwicklung von WLAN-Routern vor, sodass Bürgern die Möglichkeit gegeben wird, den Router zusätzlich auch zum Einbruchschutz einzusetzen. Hierfür sollen unbefugte Eindringlinge von diesem erkannt werden und anschließend ein automatischer Alarm ausgelöst werden. Denn WLAN-Router erfassen alle Mobilfunkgeräte wie zum Beispiel auch das Smartphone des Eindringlings und senden permanent dessen Position und Identität auch dann, wenn das Gerät gerade nicht im Einsatz ist. Die räumlichen Bereiche, die überwacht werden, sollen dabei von den Besitzern auch individuell festgelegt werden können. So besteht die Möglichkeit zu unterschiedlichen Alarmszenarien wie beispielsweise einer Benachrichtigung an das eigene Smartphone oder eine direkte Benachrichtigung der Polizei.

Pseudonymisierte Speicherung der MAC-Adresse

Die sogenannte MAC-Adresse repräsentiert die eindeutige Kennung einer Netzwerkschnittstelle, welche nun im Fall eines Verdachtes pseudonymisiert gespeichert werden soll. Ausschließlich unter bestimmten datenschutz- und anderen rechtlichen Voraussetzungen soll diese dann den Strafbehörden entschlüsselt bereitgestellt werden. Denn nicht jedes Gerät, welches dem Netz unbekannt ist, stellt einen Hinweis auf einen unbefugten Eindringling dar. Lediglich, wenn der Wohnungsinhaber nicht anwesend ist, erregen die Geräte, welche nicht autorisiert sind, einen Verdacht. Der Wohnungsinhaber wird dann beispielsweise auf seinem Smartphone gewarnt.

Nachverfolgung des Fluchtweges

Des Weiteren können WLAN-Netzwerke dazu beitragen, die Fluchtroute eines kriminellen Eindringlings zu verfolgen, indem das festgestellte Gerät an einem anderen Ort wiedergefunden wird (zum Beispiel durch WLAN-Hotspots im öffentlichen Bereich). Hierdurch wäre es den Strafverfolgungsbehörden auch möglich, die Strukturen innerhalb von einzelnen Täterbanden nachzuvollziehen. Die Grundrechtseingriffe sollen bei den WLAN-Routern als Wachmann-Ersatz auf das Mindestmaß beschränkt werden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Freude schlägt Herzen - die beliebtesten Emojis der Deutschen

Freude schlägt Herzen

Das sind die beliebtesten Emojis der Deutschen

Lachen statt Herzen: Die Deutschen setzen in ihren Chats vor allem auf gute Laune. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zum World Emoji Day zeigt außerdem, wie selbstverständlich Emojis inzwischen zum digitalen Alltag gehören – und warum sie trotzdem manchmal für Missverständnisse sorgen. […]

Das Smartphone ersetzt fast alles – darauf achten Nutzer wirklich

Das Smartphone ersetzt fast alles

Darauf achten Nutzer wirklich

Eine gute Kamera gehört heute zu den wichtigsten Kaufkriterien für Smartphones. Gleichzeitig ersetzt das Gerät immer mehr Alltagshelfer, nutzt KI für Fotos und speichert zahlreiche sensible Daten, die besonders geschützt werden sollten. […]

OLG stoppt Telefónica – Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

OLG stoppt Telefónica

Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

Verbraucherschützer konnten vor Gericht einen Erfolg erzielen. Denn Telefónica wurde eine AGB-Klausel untersagt, mit der Mobilfunkverträge trotz Mindestlaufzeit einseitig durch das Unternehmen gekündigt werden konnten. Das Urteil stärkt die Rechte von Kunden und sorgt für mehr Vertragssicherheit. […]

KI in der App-Entwicklung: Chancen, Risiken und Trends 2026

KI in der App-Entwicklung

Chancen, Risiken und Trends 2026

Künstliche Intelligenz verändert die App-Entwicklung grundlegend. Von automatischer Codegenerierung über intelligentes UI-Design bis hin zu neuen Geschäftsmodellen: Der Ratgeber zeigt, welche Möglichkeiten KI heute bietet, wo ihre Grenzen liegen und worauf Unternehmen und Entwickler beim Einsatz achten sollten. […]

Kinder schützen durch Chats prüfen? – das hat die EU jetzt entschieden

Kinder schützen durch Chats prüfen?

Das hat die EU jetzt entschieden

Das EU-Parlament hat einer neuen Übergangsregelung zur Chatkontrolle zugestimmt. Die Maßnahme bleibt dennoch umstritten und innerhalb der EU wird weiter an einer langfristigen gesetzlichen Lösung für den Kinderschutz gearbeitet. […]

Messwoche liefert Millionen Daten – wie gut ist der Mobilfunk wirklich?

Messwoche liefert Millionen Daten

Wie gut ist der Mobilfunk wirklich

Fast 20 Millionen Messpunkte liefern ein aktuelles Bild der Mobilfunkversorgung in Deutschland. Die Ergebnisse der zweiten Mobilfunkmesswoche zeigen den Fortschritt beim 5G-Ausbau und helfen dabei, Versorgungslücken zu erkennen und künftig zu schließen. […]