Große und kleine Fische – Umstrittener Resale-Vertrag der Deutschen Telekom

Machtkampf

Auch wenn auf dem DSL-Anschluss ein anderer Anbietername drauf steht, es ist meist die Deutsche Telekom drin. Denn das Kabelnetz gehört bis auf wenige Ausnahmen der Deutschen Telekom. Sie überlässt es lediglich anderen Anbietern, die die DSL-Anschlüsse dann unter eigenem Namen vermarkten. Selbstverständlich tut die Deutsche Telekom das nicht unentgeltlich, der sogenannte Resale-Anschluss kostet auch den DSL-Anbieter Geld. Wieviel das zukünftig sein wird, soll in einem neuen Modell eines Vorleistungsvertrags festgelegt werden, den die Deutsche Telekom den Anbietern zur Unterschrift vorlegt. Doch der wird stark kritisiert, denn er bietet großen Unternehmen erheblich bessere Konditionen als den kleineren.

Unterschiede im Vertragsmodell

Ein Anwalt der Deutschen Telekom erklärte, des neue Vertragsmodell Net-Rental unterscheide sich durch technische Änderungen von dem bisherigen Resale-Produkt, diese hat das Bundeskartellamt jedoch nicht erkennen können, jedoch die Änderungen bezüglich der Rabatte. Mehr als 50 Prozent Rabatt auf den Preis, den der Endkunde für seinen DSL-Anschluss zahlt, erhalten Unternehmen, die eine hohe Anzahl DSL-Kunden aufweisen können. Das müssen so viele sein, dass nur Unternehmen wie United Internet (1,9 Millionen Kunden) und AOL (1,1 Millionen Kunden) von dem Nachlass profitieren können, denn deren Kundenzahl ist hoch genug. Alle anderen erhalten lediglich 11,5 Prozent Nachlass. Damit haben die großen Anbieter einen Vorteil, der die kleineren auf der Strecke bleiben lässt. Und auch Anbieter mit eigener Infrastruktur, wie zum Beispiel Arcor, sind im Nachteil, denn ihnen steht ein harter Preiskampf in dem DSL-Bereich bevor.

Von United Internet (mit Marken wie 1&1, GMX, Schlund+Partner) und dem Anbieter AOL wurde der sogenannte Net-Rental-Vertrag bereits unterschrieben, woraufhin eine erhebliche Wertsteigerung der Aktien zu erwarten ist. Die Internet-Tochter der Deutschen Telekom, T-Online tat dies jedoch noch nicht, aus taktischen Gründen wegen der erwünschten Fusion mit dem Mutterunternehmen, so wird vermutet. Dabei würde das Unternehmen ebenfalls von dem hohen Rabatt profitieren, denn es hat die meisten DSL-Kunden in Deutschland.

Klage durch freenet

Der Anbieter freenet hat gegen die Deutsche Telekom geklagt, um zu erreichen, dass der Ex-Monopolist den umstrittenen Vertrag nicht mehr anbieten darf. Ein Urteil soll am 20. April gefällt werden. Die Bundesnetzagentur erhielt Beschwerden verschiedener Anbieter und prüft bereits, ob der neue Vorleistungsvertrags gegen die Regulierungsbestimmungen verstößt. Sie will demnächst eine Entscheidung fällen. Und auch das Bundeskartellamt hat sich eingeschaltet. Es bestehe der Verdacht, so sagte ein Sprecher des Kartellamtes, dass kleine Anbieter aus dem Markt gedrängt werden sollen.

Update vom 21.04.2006

Das Landgericht Köln hat den von freenet gestellten Antrag auf Unterlassung abgewiesen. Doch auch die Bundesnetzagentur und das Kartellamt befassen sich noch mit dem sogenannten Net-Rental-Vertrag. Eine Anhörung der Bundesnetzagentur wurde auf den 26. April anberaumt und das Bundeskartellamt hat gegen die Dt. Telekom ein Verfahren eingeleitet.

Update vom 22.05.2006

Entscheidung – Bundesnetzagentur untersagt Dt. Telekom den Net-Rental-Vertrag

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