Urteil – Keine Gebühren für Auszahlung von Prepaidguthaben im Mobilfunk

Urteile

Mobilfunkkunden können ihre Handygebühren auf zweierlei Art bezahlen. Einerseits ermöglichen die Anbieter die Rechnungszahlung, anfallende Gebühren werden somit am Ende des Abrechnungszeitraums beglichen. (Postpaid) Andererseits gibt es die Möglichkeit der Guthabenzahlung, anfallende Gebühren werden von einem zuvor eingezahlten Guthaben bezahlt. (Prepaid) Wenn der Kunde eines solchen Prepaidvertrages kündigt, sind die Anbieter seit mehreren Jahren gesetzlich dazu verpflichtet, ihm das nicht verbrauchte Guthaben auszuzahlen. Dass der Anbieter dafür keine Gebühr verlangen darf, hat das Landgericht Kiel nun entschieden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hatte diverse Mobilfunkunternehmen wegen unzulässigen Geschäftsbedingungen abgemahnt und verklagt. Die Klage gegen einen dieser Anbieter verlief vor dem Landgericht Kiel für die Verbraucherschützer erfolgreich. Der Anbieter klarmobil hatte von seinen Kunden 6,- € Gebühr verlangt, wenn sich diese nahc einer Kündigung der Prepaidkarte ihr Restguthaben auszahlen ließen. Es sei nicht zulässig, die damit verbundenen Aufwendungen auf die Kunden abzuwälzen, meinte das Gericht.

Auch weitere Klauseln in den Geschäftsbedingungen des Anbieters bemängelte der Bundesverband der Verbraucherzentralen und in diesen Punkten gab ihm das Gericht ebenfalls Recht. Der Provider darf für Mahnungen nicht 9,95 € Gebühren berechnen, weil die Kunden bereits für die erste Mahnung bezahlen. Auch die Gebühr in Höhe von 19,95 € für einen gescheiterten Lastschrifteinzug darf klarmobil nicht berechnen, weil der Anbieter die allgemeinen Personalkosten darin einkalkuliere, erklärte das Gericht.

Zudem dürfe der Anbieter die Preise für seinen Prepaidtarif nicht nachträglich durch eine Mitteilung an die Kunden ändern, entschied das Gericht. Das Unternehmen habe dadurch nämlich die Möglichkeit zu einer einseitigen und unbegrenzten Preiserhöhung. Denn in der Klausel war weder ein Grund für derartige Preisänderungen noch deren möglicher Umfang erläutert. Der vzbv weist darauf hin, dass die Zahlungen für unzulässige Gebühren von den Anbietern binnen drei Jahren nach Ende des Jahres an in dem sie gezahlt wurden von den Anbietern zurückgefordert werden können.

Landgericht Kiel, Aktz. 18 O 243/10 vom 17. März 2011

Weitere Informationen

Urteil – Gebühr für Rückzahlung von Guthaben einer Mobilfunk-Prepaidkarte (Oberlandesgericht Hamburg)
Gerichtsurteile Mobilfunk

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Wichtiges BGH-Urteil – Verbraucherrechte bei Online-Kündigung gestärkt

Wichtiges BGH-Urteil

Verbraucherrechte bei Online-Kündigung gestärkt

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Bestätigungsseite einer Online-Kündigung ausschließlich der Kündigung dienen darf. Zusätzliche Angebote wie Vertragsunterbrechungen oder Werbehinweise verstoßen gegen § 312k BGB und sind unzulässig. […]

BKA zerschlägt Phishing-Plattform Kratos – 200 Server abgeschaltet

BKA zerschlägt weltweit aktive Phishing-Plattform „Kratos“

Hunderttausende Opfer betroffen

Gemeinsam mit US-Ermittlern hat das BKA die weltweit aktive Phishing-Plattform „Kratos“ zerschlagen. Mehr als 200 Server wurden abgeschaltet, der mutmaßliche Administrator in Indonesien festgenommen und Hunderttausende potenzielle Opfer geschützt. […]

Freude schlägt Herzen - die beliebtesten Emojis der Deutschen

Freude schlägt Herzen

Das sind die beliebtesten Emojis der Deutschen

Lachen statt Herzen: Die Deutschen setzen in ihren Chats vor allem auf gute Laune. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zum World Emoji Day zeigt außerdem, wie selbstverständlich Emojis inzwischen zum digitalen Alltag gehören – und warum sie trotzdem manchmal für Missverständnisse sorgen. […]

Das Smartphone ersetzt fast alles – darauf achten Nutzer wirklich

Das Smartphone ersetzt fast alles

Darauf achten Nutzer wirklich

Eine gute Kamera gehört heute zu den wichtigsten Kaufkriterien für Smartphones. Gleichzeitig ersetzt das Gerät immer mehr Alltagshelfer, nutzt KI für Fotos und speichert zahlreiche sensible Daten, die besonders geschützt werden sollten. […]

OLG stoppt Telefónica – Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

OLG stoppt Telefónica

Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

Verbraucherschützer konnten vor Gericht einen Erfolg erzielen. Denn Telefónica wurde eine AGB-Klausel untersagt, mit der Mobilfunkverträge trotz Mindestlaufzeit einseitig durch das Unternehmen gekündigt werden konnten. Das Urteil stärkt die Rechte von Kunden und sorgt für mehr Vertragssicherheit. […]

KI in der App-Entwicklung: Chancen, Risiken und Trends 2026

KI in der App-Entwicklung

Chancen, Risiken und Trends 2026

Künstliche Intelligenz verändert die App-Entwicklung grundlegend. Von automatischer Codegenerierung über intelligentes UI-Design bis hin zu neuen Geschäftsmodellen: Der Ratgeber zeigt, welche Möglichkeiten KI heute bietet, wo ihre Grenzen liegen und worauf Unternehmen und Entwickler beim Einsatz achten sollten. […]