Jugend – Angst und Skepsis statt Internethype

Studie

Die Altersgruppe der Unter-25-Jährigen ist die erste Generation, die komplett mit dem Internet aufgewachsen ist und als „Digital Natives“ gilt. Doch eine Studie belegt, dass Angst und Skepsis verbreitet sind und der selbstverständliche Umgang mit dem Medium gar nicht immer so natürlich ist, wie vermutet. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet in einer repräsentativen Erhebung von 14- bis 24-Jährigen, die aus qualitativen Befragungen und quantitativen Abfragen besteht.

Internet gehört selbstverständlich dazu, schafft aber Probleme

Die wichtigste Erkenntnis: Das Internet gehört in dieser Altersgruppe zum selbstverständlichen Teil des Lebens. Es gibt keine „Offliner“ mehr: 99 Prozent nutzen das Internet sogar täglich. Das ist ein Anstieg von 28 Prozentpunkten in vier Jahren. 99,8 Prozent besitzen ein Smartphone, nur sieben Prozent davon haben keinen Datentarif und sind auf das Telefonieren beschränkt. Damit ist das mobile Surfen ebenfalls selbstverständlicher Teil des Mediums.

Der Nutzen geht weit über die praktische und komfortable Lösung von Alltagsproblemen und Wissensabfragen hinaus. 68 Prozent können sich entsprechend ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen, 69 Prozent meinen sogar, dass dieses Medium sie glücklich macht. Allerdings gibt es auch eine kritische Haltung. 64 Prozent haben das Gefühl, Zeit zu verschwenden, und 19 Prozent meinen, das Internet „nervt“. Die Hälfte der Befragten wünscht sich eine Zukunft, in der sie weniger online sind.

Konkrete Angst und Skepsis wachsen

Erstaunlich ist, dass sich die kritische Haltung der Jugend auch in Details fortsetzt. Fast jeder Dritte befürchtet, internetsüchtig zu sein. Die Angst vor peinlichen Veröffentlichungen oder vor Fake-Profielen ist um 18 bzw. 16 Prozentpunkte in vier Jahren gestiegen. Zwei Drittel glauben, es gebe eine regelrechte Beleidigungskultur. Dennoch nutzen rund zwei Drittel Facebook und fast drei Viertel Instagram. Allerdings posten nur 54 Prozent regelmäßig Details über sich selbst, die meisten wollen nur „beobachten“. Das zeigt sich auch an Videos: 96 Prozent nutzen YouTube. Beliebt ist das Messenging. Nachrichten über WhatsApp sind bei 99 Prozent verbreitet und somit das Standard-Kommunikationssystem.

Gefühl fehlender Kompetenz und der Hang zur Gleichgültigkeit

Erstaunlich sind auch zwei weitere Aspekte. Zum einen ist für viele Befragte das Internet eine „Black Box“, die sie nicht verstehen. Bei Problemen wissen sie sich nicht zu helfen. 69 Prozent fühlen sich durch die Schule nur unzureichend über das Medium informiert und nur noch 57 Prozent glauben, die eigenen Daten gut schützen zu können. Das entsprechende Gefühl des informierten Umgangs sank in vier Jahren um fast 20 Prozentpunkte. Dennoch erklärt Jeder Fünfte seine Gleichgültigkeit, was mit den eigenen Daten geschieht. Vor vier Jahren waren das nur acht Prozent. Das zeigt sich auch an Sicherheitsmaßnahmen. Bei einem Rückgang um ein Drittel gibt nicht einmal mehr die Hälfte an, nur als sicher eingeschätzte Webseiten zu nutzen.

Verändertes Nutzerverhalten: Pragmatismus und gebremste Kommunikation

Die Studie belegt eindrucksvoll, dass sich das Nutzerverhalten der jungen Generation stark verändert. Das Internet ist normales Werkzeug. Allerdings ändert sich die Haltung noch deutlich stärker. Trotz einer zunehmenden Gleichgültigkeit wachsen Kritik an der Durchdringung des Alltags durch die Online-Welt und der Wunsch nach mehr „Offline“. Die Internetnutzung wird kritischer hinterfragt und zugleich pragmatischer gehandhabt. Dabei sinkt jedoch die Bereitschaft, sich an sozialen Plattformen zu beteiligen – aus Angst vor Beleidigungen. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey sieht hier Handlungsbedarf. Sie erklärte bei der Präsentation: „Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd. Wenn junge Menschen sich im Internet nicht einmal mehr trauen, ihre Meinung frei zu äußern, dann ist das ein erschreckendes Signal. Sie brauchen Unterstützung und Begleitung, damit sie das Netz unbeschwert nutzen können. Und wir brauchen ein modernes Jugendmedienschutzgesetz, das Teilhabe, Befähigung und Schutz zugleich sichert.“

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