Urteil des BGH – Haftung des Kreditinstituts für Schaden durch Passwort-Klau

Urteil

Ein Bankkunde nutze seit einigen Jahren das Online-Banking seines Kreditinstituts. Dafür hatte ihm die Bank eine iTAN-Liste zur Verfügung gestellt. Nach der Eingabe seiner PIN auf der Webseite des Kreditinstituts konnte er durch die Eingabe einer bestimmten Transaktionsnummer (TAN) beispielsweise Überweisungen durchführen. Im Oktober 2008 rief er nach eigenen Angaben die Webseite seiner Bank auf. Er erhielt den Hinweis, dass er das Onlinebanking derzeit nicht nutzen könne, aber 10 Transaktionsnummern eingeben solle. Das tat der Kunde, erhielt danach Zugriff auf das Online-Banking und tätigte unter Eingabe einer weiteren TAN eine Überweisung.

Im Januar 2009 wurden aus dem Onlinebanking von dem Konto des Kunden mithilfe seiner PIN und einer korrekten TAN 5.000,- € auf ein Bankkonto im Ausland überwiesen. Er war offensichtlich Opfer eines Pharming-Angriffs geworden, bei dem er auf eine manipulierte Webseite umgeleitet worden war. Die dort von ihm eingegebene PIN samt der TANs hatten Dritte zur unbefugten Überweisung benutzt und sein Konto um 5.000,- € erleichtert. Die Täter wurden nie ermittelt. Der Bankkunde verlangte daraufhin von seiner Bank eine Rückzahlung des Überweisungsbetrages. Er klagte erfolglos vor dem Amtsgericht Düsseldorf (Aktz. 36 C 13469/09), dann vor dem Landgericht Düsseldorf (Aktz. 23 S 163/10). Letztlich wies auch der Bundesgerichtshof die Revision zurück.

Das Kreditinstitut hatte seine Kunden auf der LogIn-Seite des Onlinebankings mit einem Hinweis vor Phishing und Pharming gewarnt, insbesondere vor der Preisgabe mehrerer TANs gleichzeitig. Darin sah das Gericht eine ausreichende Aufklärung durch das Kreditinstitut. Zudem habe die Bank mit dem iTAN-Verfahren eine zu dem damaligen Zeitpunkt möglichst wenig missbrauchsanfällige System für sicheres Online-Banling bereitgestellt. Sie trage also keine Mitschuld. Auch sei in diesem Fall unerheblich, ob durch die Überweisung der Kreditrahmen des Kunden überschritten worden sei. Ein Limit für einzelne Überweisungen sei zwischen den Parteien nicht vereinbart worden.

Der Bankkunde habe sich hingegen gegenüber der Bank schadensersatzpflichtig gemacht. Denn er habe nicht die erforderliche Sorgfalt walten lassen. Die Eingabe von gleichzeitig 10 TANs bei einem LogIn-Vorgang trotz ausdrücklicher Warnung seines Kreditinstituts sei als einfache Fahrlässigkeit zu sehen. In diesem Fall reiche das für eine Haftung des Bankkunden aus.

Hinweis vom telespiegel: Am 31. Oktober 2009 trat der Paragraf 675v Abs. 2 BGB in Kraft. Der sieht eine unbegrenzte Haftung des Kunden bei missbräuchlicher Nutzung eines Zahlungsauthentifizierungsinstruments nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit vor. Das beschriebene Urteil des BGH gilt deshalb so nur für Kunden, die vor diesem Zeitpunkt Opfer eines Pharming-Angriffs geworden sind.

Bundesgerichtshof (BGH), Aktz. XI ZR 96/11 vom 24. April 2012

Update 15.04.2016

Passwortsalat – Rezepte von der Bitkom

Mehr Informationen

Gerichtsurteile Internet

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


19 − 13 =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Kleinanzeigenportal – Polizei warnt vor angeblichen PayPal-Zahlungen

Kleinanzeigenportal

Polizei warnt vor angeblichen PayPal-Zahlungen

Aktuell warnt die Polizei Niedersachsen vor einer Internetbetrugsmasche, die bereits seit längerer Zeit bekannt ist. Die Betrüger täuschen bei einem Kleinanzeigenportal gefälschte PayPal-Bezahlungen vor. Das Geld wird bei dem betroffenen Verkäufer jedoch nie auf dem Konto eingehen. […]

Home-Router im Test – erhebliche Sicherheitsmängel bei vielen Geräten

Home-Router im Test

Erhebliche Sicherheitsmängel bei vielen Geräten

Sicherheitsforscher des Frauenhofer-Instituts haben 127 Home-Router unter die Lupe genommen und auf verschiedene Sicherheitsaspekte geprüft. Keines der getesteten Geräte war frei von Schwachstellen. Im Gegenteil: einige Router weisen sogar erhebliche Sicherheitsmängel auf. […]

Digitalisierung – Tiefgreifende Veränderung im Unterricht ist notwendig

Digitalisierung

Tiefgreifende Veränderung im Unterricht ist notwendig

Während der Corona-Krise hat sich erneut deutlich gezeigt, dass die Digitalisierung an Schulen in Deutschland nicht ausreichend ist. Neben der Bereitstellung von Hard- und Software, werden ebenfalls ein guter technischer Support sowie Weiterbildungen für die Lehrkräfte benötigt. […]

Adobe Flash Player – Software zerstört sich am 31. Dezember 2020 selbst

Adobe Flash Player

Software zerstört sich am 31. Dezember 2020 selbst

Vor drei Jahren wurde das Ende des Adobe Flash Players angekündigt. Am 31. Dezember dieses Jahres ist nun endgültig Schluss. Ab dem Jahr 2021 kann die Software nicht mehr verwendet werden. Die Entwickler empfehlen Nutzern den Flash Player bereits vor diesem Datum rückstandlos zu deinstallieren. […]