SS7-Hack – Angriffe auf Bankkonten von O2-Kunden

SS7-Hack - Angriffe auf Bankkonten von O2-Kunden

Bereits seit einigen Jahren ist ein Hack im Mobilfunksystem bekannt, der unter anderem erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit des Online-Bankings hat. Möglich macht das eine Lücke in SS7, die noch immer nicht geschlossen ist. Nun ist es Kriminellen scheinbar gelungen, diese Schwachstelle auszunutzen und auf Bankkonten von O2-Kunden zuzugreifen. Das hat das Mobilfunkunternehmen laut eines Berichts der Süddeutschen Zeitung bestätigt. Einzelheiten zur Zahl der Betroffenen oder zum Schaden sind nicht öffentlich.

So funktioniert der SS7-Hack

Wie der Hack funktioniert, haben die deutsche Sicherheitsexperten Karsten Nohl und Tobias Engel bereits vor drei Jahren demonstriert. Bis heute ist die Lücke nicht geschlossen. Im Mittelpunkt steht SS7. Diese Abkürzung steht für Signalling System #7. Die dahinter stehende Technik wird im Mobilfunk genutzt, um Nachrichten auszutauschen. SS7 ermöglicht beispielsweise das Roaming zwischen zwei Ländernetzen oder die Übergabe der laufenden Gespräche in die nächste Funkzelle. Zugleich nutzt SS7 das Home Location Register, eine Datenbank mit den gültigen SIM-Karten und ihrem Heimatland. Über diese Kombination ist es technisch möglich, Rufnummern von einer Nummer auf die andere umzuleiten, aber auch ein Handy zu orten und abzuhören. Das Problem: Sogenannte „graue“ Mobilfunkanbieter und zwielichtige Einzelpersonen haben Zugriff auf die Technik und die Datenbank und verkaufen ihr Wissen für viel Geld an Kriminelle. Das ist offenbar auch beim aktuellen Betrug der Fall.

Demnach gingen die Kriminellen offenbar per Phishing vor. Sie verschickten die typischen E-Mails, die Bankkunden zum Klicken auf Links und zum Einloggen in ihren Account veranlassen sollen. Die Zugangsdaten gaben die Opfer auf einer falschen, aber täuschend echt wirkenden Webseite ein. So kamen die Kriminellen an Zugangsdaten und über den echten Account damit auch an die Mobilfunknummer. Dann richteten sie eine Weiterleitung auf eine eigene Mobilfunknummer per SS7-Hack ein. Nun konnten sie sich in das Banksystem einloggen, Überweisungen tätigen und die erforderliche TAN umgeleitet auf ihrem Handy empfangen.

So schützen sich Handynutzer vor SS7-Hacks

Solange die Mobilfunkanbieter die Lücke nicht schließen oder schließen lassen, sind alle Handynutzer in Gefahr, Opfer eines Hacks zu werden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, zumindest die Rufnummernumleitung durch Dritte zu unterbinden, die das wesentlichste Instrument für die Kriminellen ist. Das ist auf Anbieterseite erforderlich. O2 hat diese Beschränkung offenbar jetzt umgesetzt.

Handynutzer haben selbst nur wenige Chancen, sich zu schützen. Sie können jedoch für das Online-Banking ausschließlich einen TAN-Generator nutzen. So vermeiden Sie den Zugriff durch Dritte. Hinzu kommen die bekannten Sicherheitsmaßnahmen: Phishing-Mails, also Nachrichten mit Links bezgl. Kontoinformationen, generell zu hinterfragen. Besonders wichtig: Niemals auf Links klicken, sondern sich per Hand über den Webbrowser einloggen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Glasfaseranschlüsse – BNetzA veröffentlicht Leerrohrentgelte-Entwurf

Glasfaseranschlüsse

BNetzA veröffentlicht Leerrohrentgelte-Entwurf

Die Telekom muss Wettbewerbern den Zugang zu sogenannten Leerrohren ermöglichen, um zusätzliche Bauarbeiten zu vermeiden. Wie viel das Unternehmen für die Nutzung durch die Konkurrenz erhält, steht bislang noch nicht fest. Jetzt hat die zuständige Behörde einen Kompromiss vorgeschlagen. […]

Adaptive Timeout-Funktion – längere Akkulaufzeit bei Android 15

Adaptive Timeout-Funktion

Längere Akkulaufzeit bei Android 15

Ein neues Feature, das mit Android 15 kommen soll, könnte die Akkulaufzeit von Android-Geräten erheblich verlängern. Entdeckt wurden Hinweise auf „adaptive Timeout“ auf der zweiten Developer Preview. Das neue Betriebssystem soll bereits in einigen Monaten erscheinen. […]

Spielspaß oder Suchtrisiko? – das steckt hinter sogenannten Lootboxen

Spielspaß oder Suchtrisiko?

Das steckt hinter sogenannten Lootboxen

Als Lootboxen bezeichnete virtuelle Überraschungskisten erfreuen sich bei vielen Gamern großer Beliebtheit. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die darin eine ähnliche Suchtproblematik wie bei Online-Glücksspiel sehen. Noch sind die Boxen hierzulande legal. Andere Länder haben bereits reagiert. […]

Mehr als 300.000 Gbit/s – neuer Geschwindigkeitsrekord im Glasfasernetz

Mehr als 300.000 Gbit/s

Neuer Geschwindigkeitsrekord im Glasfasernetz

Einem internationalen Team gelang ein neuer Rekord bei der Übertragungsgeschwindigkeit im Glasfasernetz. Sie erreichten die 4,5-Millionenfache Geschwindigkeit der durchschnittlichen Breitbandverbindungen in Haushalten. Für Endnutzer könnte das künftig zu erheblichen Verbesserungen führen. […]