Beschluss – Gigabit-Leitungen in Gebäuden sind zu drosseln

Vor den Kopf schlagen

Deutschland ist gemessen an den Fortschritten in den europäischen Nachbarländern ein regelrechtes Breitbandentwicklungsland. Eine der strukturellen Ursachen tritt aktuell durch einen unverständlichen Beschluss einmal mehr deutlich zutage: der Schutz der Telekom auf der letzten Meile. Denn die Bundesnetzagentur hat entschieden, dass in Gebäuden Breitbandanbieter den Vectoring-Leitungen der Telekom einen Mindestfrequenzbereich zugestehen müssen. Dadurch reduziert sich die Geschwindigkeit der Glasfaserleitungen erheblich. Der Bundesverband Breko protestiert im Namen der Breitbandanbieter deutlich.

Worum es geht: Zwei Technologien im Haus schaffen Probleme

Es geht um ein klassisches Verkabelungsproblem. In den meisten Häusern liegt ein Kabel der Telekom, das bis in die Wohnungen geführt wird. Da die Telekom zumeist spätestens ab dem letzten Verteilerkasten Kupferkabel einsetzt, nutzt sie die Technologie Vectoring zur Beschleunigung. Diese ist anfällig gegenüber Störungen.

Möchte ein Breitbandanbieter Wohnungen im Gebäude mit den geforderten schnellen Gigabitleitungen versorgen, kommt es zu Konflikten. Denn Glasfaserkabel im Haus sind teuer und aufwendig, sodass die Breitbandanbieter ebenfalls ein Kupferkabel nutzen, das sich auf den bestehenden kurzen Distanzen per G.fast auf Geschwindigkeiten von bis zu 1 GBit/s beschleunigen lässt. Allerdings nutzt dieses Kabel eine Frequenz, die beim „nicht-kompatiblen“ Telekomkabel zu Störungen führt.

Um dieses Problem zu lösen, hat der Bundesnetzagentur auf Bitten der Telekom beschlossen, dass Breitbandanbieter der Telekom den Frequenzbereich bis 40 MHz freihalten müssen. Dadurch jedoch reduziert sich die Geschwindigkeit des Breitbandanschlusses laut Breko auf rund 40 – 60 Prozent der möglichen Leistung.

Breko sieht Glasfaserausbau konterkariert

Die Glasfaseranbieter sehen den Ausbau des schnellen Internets konterkariert. Denn entweder müssen sie ihre leistungsstarken Anschlüsse künstlich drosseln oder die Telekom als Inhaber der überwältigenden Mehrheit der Anschlüsse an den Gebäuden wäre sogar berechtigt, diese Leitungen innerhalb des Hauses zu kappen. In einer Pressemitteilung des Breko heißt es:

„Anstatt zukunftssicherer Glasfaser bis in die Gebäude einen klaren Vorrang einzuräumen, wird vielmehr der Telekom ein ‚Bestands- und Vertrauensschutz‘ auf ihre längst abgeschriebene Kupfer-Infrastruktur gewährt.“

Die Anbieter sehen dadurch den Breitbandausbau gefährdet und eine Chance vertan, die Telekom in den Gebäuden zu einem „zukunftsgerichteten Glasfaserausbau zu motivieren“. Die Telekom als ehemaliges Staatsunternehmen und ihr Quasi-Monopol auf der letzten Meile werden damit nach der Entscheidung für das unterlegene Vectoring erneut zu einer Blockade des Vorhabens, in ganz Deutschland möglichst rasch Gigabitleitungen zu ermöglichen.

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